Night City Raiders_

blogpost · Irmdraut

3 Kilometer

Zwischen manchen Welten liegen 3000 Lichtjahre, zwischen anderen nur 3000 Meter.

Drei Kilometer.

So weit liegen in Kolumbien eine PetroChem-Anlage und das nächstgelegene Dorf voneinander entfernt.

In den Geschäftsberichten ist die Anlage ein Symbol für Fortschritt. Sie schafft Arbeitsplätze, stärkt die regionale Wirtschaft und erfüllt – laut offiziellen Angaben – sämtliche Umweltauflagen.

Drei Kilometer weiter sieht die Realität anders aus.

Dort berichten Anwohner von Brunnen, deren Wasser nicht mehr bedenkenlos getrunken werden kann. Ärzte beobachten Krankheiten, die in den vergangenen Jahren auffällig zugenommen haben. Bauern sprechen von sinkenden Erträgen und Böden, die sich verändert haben.

PetroChem bestreitet einen Zusammenhang.

Interne Dokumente, die diesem Blog vorliegen, zeigen jedoch, dass Berichte über mögliche Umweltbelastungen bereits seit längerer Zeit innerhalb des Unternehmens diskutiert wurden. Ob daraus Konsequenzen gezogen wurden, bleibt unklar.

Auffällig ist vor allem die Sprache.

Wo Anwohner von verseuchtem Wasser sprechen, ist in internen Memos von „abweichenden Messwerten“ die Rede.

Wo Familien ihre Existenz verlieren, spricht man von „regionalen Herausforderungen“.

Wo Proteste entstehen, liest man den Begriff „Reputationsrisiko“.

Die Wortwahl ist kein Zufall.

Wer bestimmt, wie über ein Problem gesprochen wird, bestimmt häufig auch, wie lange es ignoriert werden kann.

Es lohnt sich deshalb, Pressemitteilungen nicht nur danach zu lesen, was sie sagen.

Sondern auch danach, was sie verschweigen.

Denn hier hört man nichts von all dem. Nichts von den Hilferufen der Bevölkerung. Nichts von der sich in Gewalt ausdrückenden Verzweiflung.

Hier hört man nur von Betriebsergebnissen.

Zwei verschiedene Welten.
Nur 3 Kilometer entfernt voneinander.

- Ghost

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